Donnerstag, 1. Januar 2009

Business Knigge Russia - Verhandlungen mit russischen Geschäftspartnern

Auch wenn die momentanen wirtschaftlichen Aussichten in Russland alles andere als rosig sind. Russland ist eine Nation, an die man glauben muss. Wer jetzt den Kontakt nach Moskau und St. Petersburg nicht verliert sondern aktiv sucht, schafft die Voraussetzungen für nachhaltige Wirtschaftskontakte. Denn erst in der Krise zeigt sich der wahre Freund. Der kleine Business Knigge Russia will hierzu alle Interessierten ermutigen:

„Man erkennt den Falken an seinem Flug“ (russisches Sprichwort)

1. Als Deutscher müssen sie alles versuchen, um ihren vereinbarten Termin einzuhalten. Rechnen Sie mit lokalen Verzögerungen, die nicht nur durch Verkehrsstaus verursacht werden sondern auch Teil der russischen Verhandlungstaktik sind. Juli und August sind üblicherweise Urlaubsmonate, die für Geschäftstreffen vermieden werden sollten. Das Networking kann jedoch weitergehen.

2. Unterschätzen Sie niemals ihren russischen Geschäftspartner. Gehen Sie eher davon aus, dass es neben dem Prestigedenken einzelner Oligarchen und Neureicher ein ausgeprägtes Kulturverständnis für Musik und Bücher gibt.

3. Geschäfte mit Russland sind nicht zuletzt durch die Allgegenwart der Staatsfonds immer auch politische Deals. Vermeiden Sie daher im Business proaktiv Themen zum 2. Weltkrieg, Tschetschenien, Stalin etc. anzusprechen. Beliebt sind dagegen Themen über die positiven Veränderungen Russlands durch die stattgefundene Liberalisierung vieler Branchen. Gleichzeitig sollten Sie aber auch ihre eigene Identität nicht aufgeben und ihrem russischen Gesprächspartner ggf. Grenzen aufzeigen. Andernfalls werden sie bei zukünftigen Diskussionen gezielt in die Defensive getrieben.

4. Menschenführung muss der Kultur angepasst werden. In Russland erwarten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ihren Führungskräften Souveränität.

5. Geschäfte ohne Netzwerk sind in Russland wie Eierkochen ohne Wasser. Da Positionen schnell und unerwartet neu besetzt werden können, ist es wichtig neben der Nummer 1 auch potenzielle Nachfolger zu kennen.

6. Bei Geschäftsessen wie auch privaten Einladungen sind Gastgeschenke gern gesehen. Allerdings sollten sie bei ihrer Auswahl großzügig oder geistreich sein. Wodka wird derartigen Anlässen immer noch viel getrunken. Echtes Kampftrinken unter professionellen Geschäftspartnern ist jedoch eher die Ausnahme. Ausländer sollten sich dennoch bei alledem nicht in kompromittierende und später zu bereuende Situationen begeben.

7. Die westlich erscheinende Art vieler russischer Geschäftspartner führt zu der irrtümlichen Annahme, dass es kaum eigene Kulturstandards gibt. In seinen Emotionen und seinem Denken sind die meisten Russen jedoch stark verwurzelt in ihrer eigenen Kultur. Tritt ein Deutscher einem Russen aus Versehen auf den Fuß, tritt der Russe nicht selten direkt zurück. Durch das sofortige Ausgleichen soll zukünftiger Ärger vermieden werden. Hinzu kommen u.a. auch abergläubische Rituale, wie es auch in Deutschland spezifische Rituale gibt, die aber auf einen Russen aber verwunderlich wirken könnten.

8. Russen sind es gewohnt zu improvisieren und in Gegenwart von Krisen zu überleben. Daher sind sie auch eher bereit ein Worst Case Szenario anzunehmen und auch in diesem nach ihren Chancen zu suchen. Bei Streitigkeiten sollte aber trotz aller russischer Direktheit immer eine Tür offen bleiben und das Gesicht des anderen Verhandlungsführers gewahrt bleiben. Der Streit um die unterbrochenen Gasleitungen in die Ukraine und Westeuropa im Januar 2008 ist ein Lehrbeispiel für ein verpatztes Krisenmanagement zwischen Brüssel und Moskau.

9. Geld ist für russische Angestellte ein notwendiges Übel. Sie werden hierfür sich jedoch nicht selbst versklaven. Bessere Motivationsinstrument statt einer Gehaltssteigerung können auch Prestige und öffentliche Anerkennungen sowie Erweiterungen des Verantwortungsbereiches sein. Innerhalb internationaler Joint Ventures ist ein zentrales Controllingsystem jedoch unabdingbar. Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.

10. Team Building und das Verfolgen gemeinsamer Ziele oder eines Mission Statements zählen zu den Erfolgsfaktoren bei Geschäften in Russland. Hierzu müssen ausländische Mitarbeiter sich aber auch die Mühe machen, die russische Mentalität und interkulturelle Besonderheiten zu lernen.

Labels: , ,

Samstag, 17. November 2007

Weltreligion "Umweltschutz" – Dialog der Natur – Natuerlicher Dialog


Wir haben es schon die ganze Zeit gewusst. Und dennoch schockt mich der heute in Valencia veroeffentlichte UNO-Klimabericht auf eine ganz merkwuerdige Art und Weise, und das liegt nicht daran, dass die Klimaanlage in unserem saudischen Buero mal wieder voellig uberdreht ist. Nein, zum ersten Mal stelle ich mir persoenlich die Frage: und was wird dann aus mir?

Im Grund steht diese egozentrische Frage "und was wird dann aus mir" bei fast allen unseren persoenlichen Entscheidungen im Vordergrund. Daher ist vermutlich auch das Woertchen "ich" das meistgesprochenste Wort der Welt. Nur in den Momenten tiefer Hoffnungslosigkeit verlassen wir die Ichbezogenheit und folgen dem Motto "geteiltes Leid ist halbes Leid". Die duesteren Szenarien ueber Wirbelstuerme, Ueberflutungen, Superduerren und Aussterben von Lebesformen auf unserem Planeten sind dann zwar immer noch furchtbar; aber zumindest wird es den anderen dann auch nicht besser gehen. Oder doch?

Und was wird dann aus mir? Tja, dummer Weise habe ich als Consultant angefangen heute weniger ueber Kundenprobleme als vielmehr ueber mein eigenes Schicksal genauer nachzudenken und finde nicht sofort eine passende Loesung. Bei mir in Saudi Arabien ist schon fast alles Wueste. Schlimmer kann es kaum werden. In meiner Heimatstadt Koeln wuerde eine Sinflut bliblischen Ausmasses sehr wohl die Landschaft radikal ausloeschen. Ich vertreibe die spontanen Gedanken.

Verdammt...Du weisst, dass es Dich einestages treffen wird, aber Du kannst offensichtlich nichts dagegen unternehmen. Vielleicht passiert es mir ja so wie dem Frosch, der in einem Topf mit Wasser sitzt und die nur langsam steigende Temperatur erst dann merkt, als es schon zu spaet ist. Wie konnte es nur dazu kommen? Ich habe schon meinen Eltern vor 30 Jahren gezeigt, wie sie Altpapier und Flaschen sammeln sollen. Okay, ab und zu bin ich zu meinen Kunden ueber 200 km/h schnell gefahren, weil ich sonst zu spaet zu meinem interkulturellen Seminar gekommen waere. Das eine Mal...Erst jetzt faellt mir ein, dass ich bei diesem Tempo nicht der einzige auf der linken Spur war. Von dem Porsche, der mich rechts mit Tempo 250 ueberholt hat, ganz zu schweigen. Wir haben alle unseren kleinen und grossen Beitraege fuer das geleistet, was heute Klimawandel heisst.

Was hat aber nun der Dialog der Kulturen mit dem Thema Klimawandel zu tun? Alles! Denn je groesser unsere Ignoranz gegenueber der Natur ist, desto weniger werden wir auch mit den Menschen anderer Kulturen kommunizieren. Der Klimawandel wird zu einem Barometer unseres interkulturellen Daseins. Die dramatische Veraenderung der Natur und nicht irgendwelche Rohstoffkriege zwingen uns aber nun definitiv, grenzueberschreitend miteinander zu sprechen oder fuer immer zu schweigen. Der Klimawandel ist blind fuer die Farben der Religionen und Reisepaesse der Menschen. Es wird uns alle treffen, egal ob wir uns in der Wueste oder im Koelner Dom verstecken.

Aber noch koennen wir versuchen, die Wucht des Klimawandels gemeinsam abzufedern. Dazu bedarf es als erstes eines systemischen und selbstkritischen Bewusstseins. Mit dem nackten Zeigefinger auf die Umweltsuenden in China hinzuweisen ohne dabei die Sogwirkung von Preisdumping und Massenkonsum in den westlichen Industrielaendern zu sehen ist nur eine Spielart unserer Doppelmoral.

Umweltschutzdenken hat alle Zutaten fuer ein kultur- und religionsuebergreifendes Weltbewusstsein – wenn nicht sogar Ansaetze fuer eine neue Religion. Dabei braucht sie keine Ideologie und gelehrte Interpreten, die sagen, was gut und was boese ist. Es ist ein Dialog mit der Natur, der moeglicher Weise uns alle zurueck zu einem natuerlichen Dialog mit anderen Kulturen bringen wird. Wenn nicht, werden wir alle die Folgen unserer "Taten" wie auch unseres "Nichtstuns" noch zu Lebzeiten erfahren und koennen sie via Satellitenfernsehen in den Hochwassergebieten von Bangladesh schon heute abend zur Primetime anschauen.

Und wann sind wir dran?

Labels: ,

Sonntag, 19. August 2007

Neue Wege im interkulturellen Training beschreiten


Das Bessere ist der Feind des Guten. So nutze ich das Wochenende, um die beiden vergangenen internationalen Seminartage in Bonn Revue passieren zu lassen. 14 Stunden Training zum Thema interkulturelle Schlüsselkompetenzen... Mein Dank gilt Sandra, Jeanette, Petra, Andrea, Daphne, Stefani, Christian, Carmen, Christina, Ruth, Beate und Theresa, die mehr waren als nur ein Publikum. Mit ihren persönlichen Lebensgeschichten und ihren Begegnungen mit anderen Kulturen habe auch ich wieder einmal viel dazu lernen können.

Wie aber sollte der „Blick über den Tellerrand“ optimal gestaltet werden? Nicht wenige Trainer neigen dazu, den Teller plötzlich komplett über den Zuhörern auszuschütten, indem sie sich in Details verlieren. Dabei folgen diese selbst ernannten Gurus einem – aus meiner Sicht – inzwischen falschen Paradigma: um im Ausland nicht aufzufallen, empfehlen Sie, dass wir uns so perfekt wie möglich der fremden Kultur anpassen sollten. Unsere eigene Herkunftsidentität spielt auf einmal keine Bedeutung mehr. Auch ich lege Wert darauf, dass wir den interkulturellen blinden Fleck in unseren Augen erkennen. Gemeinsam mit meinen islamischen Kollegen in Saudi Arabien nach 14 Stunden Hunger und Durst zufrieden und erschoepft das Fasten waehrend Ramadan zu brechen, wenn die Sonne untergeht, ist ein einzigartiges Erlebnis, um in eine andere Kultur "einzutauchen". Keine Hochglanzbilder sondern Dialog der Kulturen pur. Aber irgendwann muss man auch wieder "auftauchen", sonst verleugnet man am Ende die eigene Herkunft und Heimat. Nein, es muss eine Grenze der eigenen Assimilation geben. Diese jenseits des Mainstreams liegende Methodik mutig zu vertreten, liegt im Verantwortungsbereich von uns Trainer.

Falsch verstandener Perfektionismus führt dazu, dass wir uns am Ende nicht mehr trauen, eine einfache englische Konversation zu führen. Dabei sind unsere chinesischen, arabischen oder japanischen Verhandlungspartner nicht automatisch sprachbegabter. Aus meiner Sicht ist es daher sehr viel wichtiger, ein ganzheitliches Dach zu konstruieren, unter dem die Seminarteilnehmer sich selber einrichten können und genügend Platz vorhanden ist um laufend neue Erfahrungen unterzubringen. Ähnlich falsch verstandener Perfektionismus wird durch lange Tabulisten der Trainer gepflegt. Die dabei konstruierten Beispiele haben Sonderschulcharakter und helfen dem Seminarteilnehmer nicht, sich ein eigenes interkulturelles Entscheidungssystem aufzubauen. Interessanter wäre es dann zu erfahren, wie man / frau sich bei einem bislang unbekannten, aber leider aufgetretenen Fehler entschuldigt ohne das eigene Gesicht zu verlieren.

Ein weiterer fataler Trainerrat lautet: „Machen sie einen weiten Bogen um politische und religöse Diskussionen.“ Inzwischen wollen meine eigenen internationalen Gesprächspartner sehr genau wissen, wie meine politische Meinung aussieht und ob ich ein gottesfürchtiger Mensch bin. Also muss das Training genügend Zeit mitbringen, um sich der Geschichte und dem Glauben unserer internationalen Partner zu widmen. Spannend wird es vor allem dann, wenn wir auf dieser Entdeckungsreise mehr über uns selber erfahren.

Westliche und Östliche Medien neigen dazu, ausschleißlich die Unterschiede zwischen den Kulturen aufzuzeigen. Dabei gibt es mehr Gemeinsamkeiten als wie uns vorstellen. Beispielsweise kennen Koran wie Bibel eine Paradiesgeschichte mit Adam und Eva. Der kleine aber feine Unterschied besteht darin, dass der islamische Gott den Sündern vergibt. Die Christen vererben diese Sünde in die kommende Generation. Jesus wird als einer der führenden Propheten auch im Koran zitiert. Der kleine aber feine Unterschied besteht aber darin, dass Jesus Christus laut der Bibel hingerichtet wird. Ebenso sind die gefühlten Unterschiede zwischen Schiiten und Sunniten sehr viel kleiner, als es uns insbesondere CNN und BBC verkaufen wollen. Wer die über den gesamten Globus verteilten geinsamen Wurzeln der Menschheit und den einzelnen heiligen Büchern erkennt, wird beim Tanz der Kulturen nicht stolpern.

Somit leite ich meine persönlichen Thesen für eine verbessertes interkulturelles Training in der Zukunft ab:
1. Situative Handlungskompetenz statt perfektionistisches Detailwissen.
2. Nutzung von Politik- und Religionswissen, um das Risiko oberflächlicher Geschäftsbeziehungen zu vermeiden
3. Suche nach Gemeinsamkeiten statt nach Unterschieden, um so die Grundlage für einen Dialog der Kulturen und nicht deren Kampf zu legen.
4. Interkulturelle Trainerduos oder zumindest Einsatz von Trainern, die nachweislich längere Zeit in einer echten internationalen Führungsverantwortung gestanden haben, um stereotypische Didaktik zu umgehen.
5. Neben allgemeinen interkulturellen Besonderheiten ist es hilfreich, wenn der Seminarleiter oder das Trainerduo auch die männliche und weibliche Perspektive wiedergibt. Heutige Seminare neigen zu einer einseitigen Projektion maskuliner Geschäftspraktiken.

Da niemand im Besitz der alleinigen Wahrheit ist, würde ich mich freuen, wenn diese Thesen einen Ausgangspunkt für weitere Verbesserungsvorschläge, Kooperationsansätze oder auch nur Denkanstöße für ein verbessertes Miteinander von Ost und West darstellen könnten.

Labels: , , , , , ,

Mittwoch, 15. August 2007

Tanz der Kulturen


15. August 2007. Nach einer kurzen Experimentierphase soll heute unser Internet Tagebuch starten. Womit sollen wir beginnen? Zweifel stellen sich für kurze Zeit ein, warum diese Welt einen weiteren interkulturellen Blog benötigt. Vielleicht sollte man / frau nicht mit dem Anspruch starten, dass sich sofort jeder auf einen unserer Artikel stürzt.

Nein, die Motivation muss zunächst von uns selber ausgehen. Faranak Gaini-Rahimi lebt und arbeitet als Iranerin in Deutschland und Europa. Mich hat es als Deutschen nach Saudi-Arabien und den Mittleren Osten verschlagen. Grund genug für uns zwei, die interkulturelle Black-Box, die uns alle betrifft, genauer zu untersuchen. In der Tat. Unser so genanntes globales Dorf ist in Wirklichkeit nur eine Ansammlung von ethnisch isolierten Ghettos. Vorgelebt wird der Traum von einer friedlichen Weltgemeinschaft leider meist nur dann, wenn der Dialog der Kulturen mit geschäftlichen Interessen verknüpft wird.

Wir müssen aber gar nicht erst die große Weltpolitik zitieren, um dem fatalen Kampf der Kulturen, der unsere Gedanken durch einseitige Medienberichte und „Hasspolitiker“ vergiftet hat, zu begegnen. Interkulturelle Missverständnisse beginnen schon in unserer eigenen Nachbarschaft. Hier müssen wir anfangen. Der türkische Nachbar, der gerade frisch gegenüber bei uns eingezogen ist, wundert sich, dass keiner der Deutschen ihn als den Neuen begrüßt. So, wie er es aus seinem Heimatland gewohnt ist. Und so wartet er vergeblich auf ein gastfreundliches Klopfen an seiner Tür. Zeitgleich wundert sich der Deutsche Nachbar, wie stur die Türken wohl sind, weil man hier gelernt hat, dass der Neue sich bei den Alteingesessenen zu erst vorstellen muss. Und wann wollen Sie ihre unbekannten Nachbarn zu einer Tasse Kaffee oder Tee einladen? Die neue Weltinnenpolitik beginnt schräg gegenüber von unserem eigenen Zuhause.

Ob im Kleinen oder im Großen. Es gibt so vieles von anderen Kulturen zu lernen. Da wir von MEMOCINE das Glück haben, an der Schnittstelle von Ost und West den unterschiedlichsten Menschen und deren Geschichten zu begegnen, wollen wir uns bemühen, einen Teil dieser Gedanken weiter zu geben. Wir wollen nicht belehren. Aber wir wollen denjenigen, die sich die Zeit nehmen, unser Tagebuch zu lesen, neue interessante Perspektiven und Denkhaltungen aufzeigen und auch von den Kommentaren unserer Leser selber lernen.

Die Feder ist mächtiger als das Schwert, heißt es. Auch wenn heute noch keiner von uns sagen kann, welche Texte aus unserer Tastatur hervorgehen werden, so freue ich mich auf den interkulturellen Dialog zwischen uns beiden Co-Autoren.

Labels: